Panico goes Ostbayern


Meine kleine Geschichte zum Kletterführer Ostbayern

Fast ein Jahr ist nun ins Land gezogen seit dem Achim Pasold bei mir das erste Mal angerufen hat und mich fragte, ob ich für Panico einen Kletterführer machen möchte. Vermutlich ist er auf mich gestoßen, weil kurz zuvor ein Artikel von Jiri Sika über das Klettergebiet Kaitersberg im Magazin Klettern veröffentlicht wurde. (welcher bei den Einheimischen Kletterern im Bayerischen Wald für etwas Unmut sorgte)
Ich weiß noch genau, es war ein warmer Frühsommertag und ich saß gerade mit meiner Freundin im Garten beim Abendessen als mein Handy klingelte und am anderen Ende ein für bayerwaidlerische Ohren befremdlicher Schwabenslang mich wegen eines Kletterführer, der da entstehen sollte, fragte. Daß dies die nächsten 12 Monate meines Lebens bestimmte sollte, war mir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht klar. Mir blieb fast das Essen im Hals stecken und ich erbat mir damals so 3 bis 4 Wochen Bedenkzeit, aber eines war mir sofort klar, nur das Gebiet Bayerischer Wald alleine, das kam für mich nicht in Frage, wenn, dann Ostbayern komplett, also den Steinwald und das Fichtelgebirge mit reinnehmen in einen möglichen Kletterführer und somit auch noch jemanden, der eben diese anderen Gebiete abhandelt. Naja, ich fragte zuerst mal viele befreundete Kletterer aus dem Bayerwald, wie sie es denn mit einem Kletterführer halten würden und interessanterweise sagte nur einer von ca. 80 Befragten, sowas brauchen wir nicht, es ist sowieso schon zuviel veröffentlicht. O.k. – das Votum war eindeutig und während des anschließendem Kletterurlaubs in Österreich und in Tschechien, den ich mit meiner Freundin verbrachte, reifte in mir der Entschluß, ja, ich werde es machen.
Gleich nach dem Urlaubsende telefonierte ich mit Stefan Löw, dem Hausmeister vom Steinwald, der gleich mit ins Boot sprang und auch mit Roland Benker, einem Freund aus dem Fichtelgebirge, der auch gleich mit von der Partie war. Die Autorentruppe war komplett. Also nochmals mit Panico, bzw. dem Achim telefoniert, ein paar Dinge besprechen und es konnte losgehen.
So ging es in der Folge regelmäßig mit Zeichenbrett, Stift und Fotoapparat bewaffnet zu den Felsen und an-schließend verbachte ich halbe Nächte wiederum am Zeichenbrett und zusätzlich am Computer, wobei mich ein sehr guter Freund, der Christian Oberberger, tatkräftig am Computer unterstützte und auch des öfteren mit der Kamera für Kletterbilder dabei war – Danke Christian!
Zudem galt es noch Interessenten für Werbung im Führer aufzutreiben und die ganze Koordination zwischen Panico und mir bzw. dann wiederum zwischen mir, Stefan und Roland.
Die heimatnahen Gebiete, der Obere Bayerische Wald, waren relativ schnell komplett, nur die Klettergebiete im Unteren Bayerischen Wald, in der Gegend von Wegscheid über Passau nach Grafenau, machten mir Kopfzerbrechen und waren sehr zeitraubend. Zuerst hieß es Kontakte zu knüpfen mit Kletterern vor Ort, die die Gebiete gut kennen. Das waren zum einen der Peter Bauer (Wegscheid), der Emanuel Hofer (Passau) und der Mathias Würzinger (Grafenau), zum anderen mußte ich dringend den Matthias Leopold ausfindig machen, der war in den 80er und Anfang der 90er im Unteren Bayerwald erschließermäßig sehr aktiv und es gab eine Menge Fragezeichen zu so mancher Route und zu so manchem Felsen, bei denen nur er mir weiterhelfen konnte. Kein Mensch konnte mir sagen, wo das Leben den Matthias hinverschlagen hat und so brauchte ich ca. 4 Monate, dann war auch dieser ausfindig gemacht – sozusagen das letzte Glied in der Kette geschlossen – super, dachte ich mir, aber das Arbeitsvolumen war trotzdem ungebrochen hoch. So verbrachte ich regelmäßig viel Zeit auf der Straße, denn so in den Großraum Passau war ich einfache Strecke eine gute Stunde mit dem Auto unterwegs. Etwa sechs bis acht Wochenenden verbrachte ich ungefähr in diesen Gebieten, um zu recherchieren, Topos zu zeichnen, Bilder zu machen.
Dann ab dem Herbst 2006 hieß es die ganzen Infos, die ich den ganzen Sommer über gesammelt hatte zu sortieren, in den Computer zu hacken, die Topos zu zeichnen, zu scannen und noch einige Unklarheiten nachzurecherchieren, z. T. wiederum Kilometer mit dem Auto runtezurspulen – Stess laß´ nach, hab ich mir sehr oft gedacht, denn irgendwie war die Arbeit am Kletterführer schon fast Alltagsmittelpunkt und lebens-bestimmend, so daß die gemeinsame Zeit mit meiner Freundin auf ein Minimum sank – die Kletterführer-arbeit löste eine Beziehungskriese aus, aber wir überstanden diese :-) – Danke Goodie. So manches mal fragte ich mich schon selber, warum tust du dir das an ? Eine Antwort darauf gibt es bis heute keine– ich weiß es selber nicht.
Der schneearme Winter kam mir dann auch noch zugute, so kam ich zum einen doch schnell mit den Arbeiten voran, konnte im Winter problemlos noch vor Ort, also an den Felsen, manche Dinge nach-recherchieren und noch in aller „Ruhe“ zum Thema „Bayerwaidler Klettergeschichte“ Nachforschungen anstellen, was sehr viel Spaß gemacht hat, denn so konnte ich fast alle alten Kletterveteranen aus dem Bayerwald kennenlernen und von Hans Schmied und Manfred Eiberweiser (sen.) viele alte Bilder und Dias vom Klettern im Bayerwald auftreiben. Besonders beeindruckend waren manche Geschichten vom Klettern damals – die waren zum Teil vogelwild drauf!
Am 21. April 2007, nach ziemlichen Schwierigkeiten einen gemeinsamen Termin für alle Beteiligten zu finden, war es dann soweit. Panico, alias Achim Pasold und Ronni Nordmann kamen in den Bayerwald, zum einen um die Manuskripte und CDs für den Kletterführer, der im Verlagsprogramm für Sommer 2007 bereits beworben wird, abzuholen, zum anderen um Hand an die Bayerwaldfelsen zu legen. Wir waren bei bestem Wetter am Kaitersberg unterwegs und es hat ihnen gut gefallen. Nach einem deftigen Bayerischen Essen und ein paar Bierchen sprachen wir bis in die frühen Morgenstunden noch Details zum Führer durch und fielen dann saumüde ins Bett.
Mir fiel ein Stein vom Herzen, als die beiden am 22. April wieder aufbrachen in Richtung Schwabenländle, einem kleinen Umweg über Regensburg, wo sie sich noch mit Eberhard Zieglmeier und Bernd Ullmann trafen, welche an einem Kletterführer „Südliches Frankenjura“ für Panico arbeiten. Bitte nicht falsch verstehen, ich meine die Arbeit, denn Achim und Ronnie sind voll in Ordnung und wir hatten viel Spaß.

Und frei nach Reinhard Karl: „Die Zeit der Einsamkeit an der Schreibmaschiene liegt nun hinter mir. Beim Hineinhören in mich selbst höre ich manchmal nur die Stille der Berge. Es ist jetzt wieder einmal an der Zeit für mich, die Niederungen der Zivilisation zu verlassen.“ ...
Wie recht hatte er, denke ich mir, packe meinen Kletterrucksack, die Hilti und bohre mir mein seit einem Jahr aufgrund der Arbeiten am Kletterführer vor mir hergeschobenes Projekt fertig und konnte es auch gleich noch klettern – ein perfekter Tag.
Entlich wieder frei und mehr Zeit für mich und meine Freundin.
Ein wenig gibts natürliich bis zum Erscheinen des Kletterführers Ostbayern im Sommer 2007 noch zu tun, aber kein Vergleich mehr zu dem Stress und der Arbeit vor dem 21. April 2007.

Christian Hartl

Besten Dank für die Unterstützung beim Kletterführer möchte ich hiermit folgenden Freunden und Bekannten sagen:
Christian Oberberger, Gudrun Baumgartner, Bruno Hartl, Bernd Pesold, Birgit Eberl, Sabine Kopp, Christian Lermer, Joachim Oschek, Alfred Bergbauer, Andy Bachhuber, Leopold Hausinger (sen.), Manfred Eiberweiser (sen.), Hans Schmied, Erich Binder, Peter Bauer, Mathias Würzinger, Matthias Leopold, Emanuel Hofer, Thomas Stallinger, Thomas Fickert, Joel und Cordula Ruderer, Ragner Theuerjar, Arnold Hasenkopf, Fr. Dr. Brigitte Ascherl, Sektion Oberland des DAV, Sektion Sudeten des DAV, Zeitschrift „Mein Bayerwald“, Sepp Hirtreiter, Herbert Laudensack, Jasmin Bradl, Marek Rottenborn, Jiri Simandl, Petr Houlub, Christian Gell, Christian Lücke, Michael Leibfried, ... wem ich vergessen habe, der möge es mir verzeihen !


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