In memoriam Glasscherbenviertel

Quelle: Kötztinger Zeitung

Schutzzone für den Luchs
Pressemeldung Kötztinger Zeitung vom 06.03.2015.
Landratsamt erlässt am Kaitersberg Betretungsregelung – Kletterareal ist Rückzugsgebiet..


Bad Kötzting. (tf) Der Luchs ist im Landkreis Cham heimisch geworden. Am Hohenbogen, am Kaitersberg, im Arbergebiet, die Grenzgebiete Richtung Tschechien – die Pinselohren streifen überall durch die Wälder. Jetzt weist das Landratsamt erstmals in einem Privatwald einen Schutzbereich für die Raubkatze aus. Die Regelung, die Ende Februar in Kraft getreten ist, verbietet künftig das Betreten eines rund 37 Hektar großen Areals im Steinbühler Gesenke am Kaitersberg. Mitten im Klettergebiet.
Auf die Kletterer zielt die Betretungsregelung wohl auch hauptsächlich ab. Wie Manfred Nothaas von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt sagt, gebe es immer mehr, die abseits der Wanderwege an verschiedenen Felsen ihrem Sport nachgehen. Und dabei unabsichtlich dem Luchs bei seiner Aufzucht in die Quere kommen.
18 Luchse sind allein zwischen 2007 und 2012 zwischen Kaitersberg, Arber und Falkenstein in eine Fotofalle geraten, heißt es in einem Bericht von Biologin Sybille Wölfl, die das Luchsprojekt Bayern schon jahrelang mitbetreut. Doch die Tiere verstecken ihre Jungen eben gerne genau in den Felsspalten und Nischen, wo auch Kletterer beste Bedingungen für ihren Sport vorfinden. Aber auch Geocacher, die GPS-Schnitzeljäger der Moderne, stören bei ihrem Freizeitvergnügen querwaldein den Luchs und seine Nachkommen. „Der Luchs hat ja ein riesiges Revier, aber wir wollten ihm wenigstens einen kleinen Bereich als Rückzugsgebiet bieten“, erklärt Nothaas die neue Regelung, mit der Kletterrouten mit Namen wie Jungfernschlupf und Ende der Welt künftig nicht mehr zugänglich sein sollen.
Das Betretungsverbot gilt das ganze Jahr über. „Wir werden noch im März Schilder anbringen, um darauf hinzuweisen“, kündigt Nothaas an. Fünf Tafeln sind in Vorbereitung, die auf Deutsch und Tschechisch auf das Verbot hinweisen. „Die Wanderwege rund um das Gebiet sind weiterhin passierbar“, betont der Naturschutzfachmann, der überdies Hoffnungen hegt, dass noch heuer eine Einigung zwischen Naturschützern und Kletterern auf ein neues Kletterkonzept zustande kommt. Damit würde die Situation, so hofft er, zusätzlich entschärft. Denn ständige Kontrolle werde auf dem Berg schwerlich möglich sein, auch wenn Vogelschützer des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) aufgrund des Wanderfalkenschutzbereichs gleich nebendran immer wieder vor Ort seien. Bußgelder wegen einer Ordnungswidrigkeit zu verhängen – als solche würde ein Hinwegsetzen über das Betretungsverbot gelten –, hält Nothaas für wenig sinnvoll. Er setzt auf die Einsicht der Freizeitnutzer. Im Übrigen ist der Schutzbereich zwar der einzige derartige in einem Privatwald in Bayern, das Verbot gilt aber nicht im Rahmen der Waldbewirtschaftung oder für Jäger. Ähnliche Betretungsverbote gibt es gleichwohl auch an anderen Stellen im Landkreis: In den verschiedenen Naturschutzgebieten müssen Wanderer und andere Freizeitnutzer ebenfalls auf den Wegen bleiben. Nothaas erwähnt als Beispiel die Regentalaue, wo mit dieser Maßnahme die brütenden Vögel besonders geschützt werden. Im Zusammenhang mit der Luchsverordnung hat das Landratsamt im Übrigen Einwände der Stadt Bad Kötzting zurückgewiesen. Der Stadtrat hatte sich gegen ein Betretungsverbot auf dem Hausberg der Pfingstrittstadt gesprochen. Wegen der Luchsverordnung hat das Landratsamt außerdem die Verordnung zum Schutz des Wanderfalken auf dem Hohen Stein geändert. Künftig soll in dem an das Steinbühler Gesenke angrenzenden Gebiet das geltende Betretungsverbot alljährlich ab 10. April ausgesetzt werden, wenn nach Feststellung des Landratsamtes keine Wanderfalkenbrut im Schutzbereich stattfindet.
Und die Kletterer? Schweine im Weltall, Dradiwaberl oder Sturzflug warten auf sie an den Rauchröhren, und auch am Kreuzfelsen sind zahlreiche Kletterrouten ausgewiesen. Darüber hinaus gibt es weitere Klettergebiete im Landkreis.


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Anmerkung der Redaktion von Ostbayern-Climb.de:

Der "Scheuklappen-Naturschutz", der immer wieder auf die Aussperrung von Menschen aus der Natur abzielt hat seit Jahren ausgedient. Zum Thema gibt es genügend Fachartikel ... die aber scheinbar noch nicht in den Bayerischen Wald vorgedrungen sind.
Wenn am Kaitersberg mit über 100jähriger Klettertradition noch immer und in steigender Zahl der Krause Rollfarn, die gelbgrüne Krustenflechte, Wanderfalke ... (das weisen die Monitoringberichte der letzten Jahre aus) vorhanden sind und sich der Luchs trotz der "bösen" Kletterer angesiedelt hat, da wundert man sich nur über solche nicht nachvollziehbaren Willkürmaßnahmen und Entscheidungen.
Es läßt sich wohl nicht mehr ändern, die Verordnung, unterschrieben vom Landrat, der Vertretern der einheimischen Kletterverbänden keine Audienz vor seiner Unterschrift gab, ist nun in Kraft und das Klettergebiet "Glasscherbenviert´l" - ein perfekt abgesichertes, für Anfänger, für Familien und deren Kletterkids, für Kletterkurse, Bergwachtausbildung, ... bestens geeignetes Stück Fels für immer für den Klettersport verloren.
Aber komischerweise hat man in der Verordnung, wie könnte es auch anders sein, die Wald- und Forstwirtschaft, sowie die Jagd ausgenommen ... da traute man sich dann doch wohl nicht dran ... da kann man sich nur wundern und staunen.



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