Tragischer Kletterunfall an den Laliderer Nordwänden


Augsburg/Bad Abbach/Vomp - "Die haben einen großartigen Schutzengel gehabt, die wären sonst 100 Meter in die Tiefe gestürzt", sagt Fritz Kospenzer, Wirt der Falkenhütte im österreichischen Vomp. Zwei Bergsteiger aus Bayern waren am letzten Freitag, den 22.09.2006 dort bei einer Klettertour in der Laliderer Nordwand im Karwendelgebirge abgestürzt. Nur ihr Seil, das sich an einem Felsen verhedderte, rettete dem Augsburger (40) und dem 34-Jährigen aus Bad Abbach (Kreis Kelheim) das Leben. Hüttenwirt Kospenzer hörte ihre Hilferufe und verständigte die Bergrettung.

Die Männer waren mit dem Mountainbike zur Falkenhütte gekommen, um die so genannte Schmid-Krebs-Klettertour, die als schwierig gilt (U.I.A.A. 6), zu absolvieren. In aller Früh gegen 6.30 Uhr starteten sie und kletterten etwa 80 Meter in die Höhe. In einem Riß legte der Voraussteigende noch Klemmgeräte an. "Unmittelbar danach muss ein Griff herausgebrochen sein", so Ferdinand Haas von der zuständigen Polizeiinspektion Zell am Ziller.

Der Vorsteiger stürzte etwa zwölf Meter in die Tiefe. Da die Zwischensicherung der Sturzbelastung nicht Stand hielt, brach diese aus, auch der Standplatz hielt nicht und es kam zum gefürchteten und i. d. R. tödlichen Standplatzsturz wodurch auch der zweite Kletterer mitgerissen. Beide verdanken ihr Leben wohl nur dem Zufall, dass sich das Seil an einem Felsvorsprung verhängte. Die Männer, die durch das Aufschlagen an der Steinwand schwer verletzt waren, hingen nun auf jeweils einer Seite des Felsens in der Luft. "Glücklicherweise konnten sie noch um Hilfe schreien", sagte Kospenzer, "sonst hätten wir sie wohl nicht rechtzeitig gefunden."

Der 52-jährige Wirt war gerade auf der Terrasse der auf 1850 Metern Höhe gelegenen Hütte, als er gegen 10.30 Uhr die verzweifelten Rufe hörte. Die Verunglückten befanden sich etwa 300 Meter Luftlinie von der Hütte entfernt. "Ich hab sofort den Notruf gewählt. Dann habe ich alle Aggregate abgestellt, bin auf auf einen Hügel gestiegen und hab` in die Wand geschrien, dass die Retter bald da sind. Durch den Schall konnten sie es gut verstehen", erklärt Kospenzer.

Sehen konnte der 52-Jährige die Männer nicht. "Aber durch die Schreie wusste ich, dass sie im unteren Drittel sind." Zwei Hubschrauber bargen die Verletzten und brachten sie ins Krankenhaus. Ihre Mountainbikes stehen noch im Keller der Falkenhütte. "Wenn ich die Räder sehe, freue ich mich. Denn es hätte auch anders enden können", weiß der Wirt.



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