Bergsteiger-Legende Walter Bonatti ist tot


Quellen: dpa, Spiegel Online, CAI, DAV, Wikipedia

Die Matterhorn-Nordwand bestieg er ganz allein im Winter, ein steiler Felspfeiler im Mont-Blanc-Gebiet wurde nach ihm benannt. Walter Bonatti war ein "genialer Kenner der Natur", wie Reinhold Messner sagt. Der berühmte Bergsteiger starb am Dienstag, den 13.09.2011 im Alter von 81 Jahren.

Rom/Bozen
- Er galt als einer der größten Bergsteiger aller Zeiten, mit seinen Erstbegehungen in Fels und Eis eröffnete er neue Dimensionen. Am Dienstabend starb Walter Bonatti im Alter von 81 Jahren in Rom, wie sein Verleger Baldini Castoldi Dalai am Mittwoch mitteilte. Der italienische Alpinist und Schriftsteller hat im vergangenen Jahrhundert Alpin-Geschichte geschrieben.

"Walter Bonatti ist sicherlich der wichtigste Bergsteiger der fünfziger und sechziger Jahre - und er war auch in einer bestimmten Form der letzte klassische Bergsteiger", kommentierte der Extrembergsteiger Reinhold Messner den Tod seines Freundes. Bonatti habe das Bergsteigen in großer Höhe, in Fels und Eis in einer Einheit betrieben. Spätere Bergsteiger wie er selbst hätten sich hingegen in bestimmten Perioden auf bestimmte Bereiche konzentriert, etwa aufs Klettern im Fels oder auf das Höhenbergsteigen.

In zahlreichen Büchern über seine Abenteuer habe Bonatti nicht nur geschrieben "wie hoch, wie schnell, wie weit". "Er war in der Lage, seine Geschichten in Emotionen zu packen", sagte Messner, der als erster Mensch alle 14 Achttausender der Welt bestiegen hat. "Außerdem war Walter ein wunderbarer Mensch, tolerant und liebenswert."

Schon früh durchstieg Bonatti schwierigste Wände in den Alpen und nahm 1954 an einer italienischen K2-Expedition teil, bei der seine Kameraden Achille Compagnoni und Lino Lacedelli für die Erstbesteigung des 8611 Meter hohen Berges geehrt wurden. Das Pikante an der Geschichte: Bonatti hatte ihnen die Sauerstoffflaschen bis auf eine Höhe von mehr als 8000 Metern getragen, seine Leistung wurde jedoch nicht gewürdigt.

"Die große Erfolgsgeschichte des italienischen Alpinismus"

Zusammen mit seinem pakistanischen Träger hatte Bonatti die Nacht vor der K2-Besteigung im Biwak verbracht, weil die Gipfelseilschaft ihr Lager an einem anderen Ort aufschlug als ausgemacht. Bonatti überlebte ohne körperliche Folgen, jedoch tief enttäuscht - zumal ihn danach schwere Vorwürfe trafen: Er habe in der schrecklichen Nacht im Biwak von dem Sauerstoff genommen und damit die Gipfelmannschaft in Probleme gebracht. Das sei aber gar nicht möglich gewesen, stellt Messner klar: "Er hatte gar keine Sauerstoffmaske." Erst vor wenigen Jahren wurde Bonatti vollkommen rehabilitiert und für seinen Beitrag bei der Erstbesteigung des K2 gewürdigt. "Das war die große Erfolgsgeschichte des italienischen Alpinismus", sagt Messner.

Nach den Vorfällen am K2 versuchte sich Bonatti noch mehr im Alleingang. Bereits ein Jahr später schaffte er als Erster ohne Begleiter in nur sechs Tagen den Südwestpfeiler des Petit Dru im Mont-Blanc-Gebiet, später auch "Bonatti-Pfeiler" genannt. Heute allerdings gibt es den markanten Fels laut Messner in seiner damaligen Form nicht mehr: Der schwindende Permafrost habe riesige Stücke von dem Fels abstürzen lassen, den Bonatti seinerzeit bestieg. Am Freney-Pfeiler im Mont-Blanc-Gebiet entging Bonatti einige Jahre später bei einem Wettersturz knapp dem Tod, vier seiner sechs Kameraden starben.

1965 schrieb er mit der Solo-Winterbesteigung durch die Matterhorn-Nordwand erneut Geschichte. "Er war ein genialer Kenner der Natur und auch ein genialer Kenner der menschlichen Natur", fasst Messner zusammen. "Er konnte mehr als andere seiner Zeit."

Etwa ab Mitte der sechziger Jahre widmete sich Bonatti den Bergen vor allem mit Büchern. Er reiste seither als Fotograf und Reporter in die entlegensten Winkel der Welt. In einem seiner letzten veröffentlichten Interviews, das im Buch "Speed" von Ueli Steck zu lesen ist, beschrieb er seine Motivation, immer wieder neue Abenteuer zu wagen: "Letztendlich geht es um die Suche nach sich selbst, um die Erforschung des eigenen Ichs, um die menschlichen Werte. Wir, die wir das Glück hatten, solche Erfahrungen machen zu können, solche Erkenntnisse zu gewinnen, müssen sie auch weitergeben, in Artikeln, Bildern, Büchern, Filmen."

jus/dpa



Mehr zu Walter Bonattis Leben, seinen bis heute bemerkenswerten Erstbegehungen, ... unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Bonatti


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