In schwindelnden Höhen: Bergunfälle in Österreich

Jährlich verletzen sich rund 700 Menschen beim Klettern. 2005 stürzten 22 Menschen in den Tod. Das KfV unterstreicht die Notwendigkeit von Kletterkursen und angemessener Ausrüstung.

Wien - Vielleicht ist es die Nähe zur Natur, die so viele Kletterer in die Felsen treibt. Vielleicht aber ist es auch das außergewöhnliche Körpererlebnis, das die Begeisterten schroffe Flächen erklimmen lässt. Sicher ist, dass sich das Sportklettern immer größerer Beliebtheit erfreut und bereits auch für therapeutische und pädagogische Zwecke eingesetzt wird. Doch 22 Tote innerhalb von zwölf Monaten zeigen, dass der Felsen immer noch stärker ist.

In Österreich sind zwischen November 2004 und Oktober 2005 14 Menschen beim Felsklettern tödlich verunglückt, weiteren acht sind Klettersteige zum Verhängnis geworden (lt. BM.I, Alpinstatistik 2004 - 2005, Beobachtungszeitraum 1. 11. 2004 bis 31. 10. 2005). Die Freizeitunfallstatistik 2004 des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) belegt, dass darüber hinaus pro Jahr rund 700 Personen nach einem Unfall beim Klettern im Spital behandelt werden mussten. Von diesen Verunglückten sind rund drei Viertel männlich und ein Drittel im Alter zwischen 20 und 30 Jahren.

Stürze sind die häufigste Unfallursache "Klettern erfordert jahrelanges Training, einwandfrei funktionierende Ausrüstung und stets höchste Konzentration. Die Daten aus der Freizeitunfallstatistik zeigen, dass Unfälle meist auf Unachtsamkeit des Kletterers zurückzuführen sind und nicht etwa auf Materialfehler", bemerkt Dr. Rupert Kisser, Bereichsleiter Heim, Freizeit & Sport im KfV. Häufigste Unfallursache sind Stürze nach Abrutschen. In der Hälfte aller Fälle ziehen solche Stürze Knochenbrüche nach sich. Oft prallt der Kletterer nach seinem Sturz gegen den Felsen. Dabei treten häufig (in einem Drittel aller Fälle) Prellungen sowie Sehnen- und Muskelverletzungen auf.

Wer hoch hinaus will, muss sich schützen "Einsteiger sollten unbedingt einen Kletterkurs besuchen. Solche Kurse werden von allen alpinen Vereinen angeboten. Sie lehren wichtige Seil- und Klettertechniken und helfen bei der Angstbewältigung", sagt Kisser. Egal ob Bouldern in der Halle, Frei- oder Alpinklettern - ein paar Grundregeln sollten beim Klettern immer bedacht werden: Seil, Karabiner & Co. müssen in einem einwandfreiem Zustand sein. Gute Passform alleine ist nicht genug. Das CE-Zeichen bestätigt, dass die Mindestanforderungen der Norm erfüllt sind. Darüber hinaus ist das UIAA-Gütezeichen (Union Internationale des Associations d´Alpinisme) ein Garant für höchste Qualität.

Die UIAA-Normen finden weltweit Anerkennung, sind jedoch nicht gesetzlich verpflichtend. Die meisten Unfälle entstehen durch unsachgemäße Handhabung der Sicherheitsausrüstung. Deshalb sind praktische Beherrschung der Sicherheitsausrüstung und die Vertrautheit mit der Ausrüstung essenziell, bevor man sich in luftige Höhen begibt. Selbstverständlich muss die richtige Handhabung noch am Boden geübt werden. Der Helm ist wesentlicher Bestandteil einer Kletterausrüstung. Er schützt nicht nur bei Stürzen, sondern auch vor herabfallenden Steinen, die aufgrund ihrer Geschwindigkeit auch bei geringer Größe leicht zu Verletzungen führen können. Wer sich vor dem Klettern gut aufwärmt, verringert das Verletzungsrisiko zusätzlich.

Genauigkeit und Kontrolle helfen Unfälle vermeiden Nach dem Motto "Vier Augen sehen mehr als zwei", darf vor dem Einsteigen in den Fels neben der Selbstkontrolle auch der Partnercheck nicht fehlen. Klare Kommunikation mit dem Partner ist ebenso wichtig wie überlegte Klettertechnik. Dazu gehören geradliniger Seilverlauf und richtige Seilführung. Langsam und nie Seil auf Seil, sondern nur über Metallteile abseilen und "ablassen"! Wer sichert, steht seitlich versetzt nahe an der Wand, den Blick auf den Kletternden gerichtet. Dies erlaubt dem Sichernden, bodennahe Stürze kurz zu halten und den Kletterer in größerer Höhe dynamisch aufzufangen, d. h. dem Seil etwas mehr nachzugeben und den Sturz "weich" abzubremsen.

Die Natur nie aus den Augen lassen Wer in die Berge geht - egal ob zum Wandern oder Klettern, sollte immer eine Karte des Geländes mit sich führen, die im Vorfeld in aller Ruhe studiert wird. So können notfalls alternative Abstiege und Positionen von Schutzhütten bestimmt werden. Die Routenauswahl muss an die persönliche körperliche Leistungsfähigkeit und Klettererfahrung angepasst sein. Bei Wetterumschwung oder nachlassenden Kräften darf nicht weiter aufgestiegen werden. "Ein verantwortungsvoller Kletterer weiß um die Regel: Der Gipfel gehört erst dir, wenn du wieder unten bist - so lange gehörst du ihm", gibt Kisser zu bedenken.

Kerstin Gardill
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Österreich

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www.kfv.at


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