Stauseepläne bedrohen Existenz der Amberger Hütte

Sektion Amberg hat mit der TIWAG Gespräche geführt und äußert sich zu den Kraftwerksplänen in einer Aussendung.

Bereits seit einigen Wochen kursieren in der Öffentlichkeit, insbesondere in den Tiroler Medien, Berichte über Planungen zu neuen Wasserkraftwerken im Ötztal. Diese Ausbaupläne sollen, so die vorliegenden Berichte, auch den Fortbestand der im Sulztal liegenden Amberger Hütte gefährden. Gespräch mit TIWAG Aufgrund dieser Medienberichte hat sich der Vorstand der Sektion Amberg, gemeinsam mit hauptamtlichen Vertretern des Deutschen Alpenvereins München mit der in Tirol tätigen TIWAG (Tiroler Wasserkraft AG) in Verbindung gesetzt und für den 16.09.04 ein Gespräch vereinbart. Im Rahmen dieses Gespräches wurden wir von Herrn Dr. Wallnöfer, Vorstandschef der TIWAG und seinen Mitarbeitern über die bestehenden Planungen informiert. Danach erstellt die TIWAG derzeit einen sog. Optionenplan mit einer Reihe von möglichen Wasserkraftprojekten in ganz Tirol. Alle diese Projekte sollen in einem zunächst noch groben Detaillierungsgrad beschrieben und evaluiert werden und dann in diesem Optionenbericht zunächst dem Eigentümer der TIWAG, dem Land Tirol und damit auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die geführten Gespräche ergaben, dass das ?Projekt Ötztal? in diesem Optionenplan einen herausragenden Stellenwert bekommen wird. Es handelt sich offenbar um das größte und aus Sicht der TIWAG erfolgversprechendste Projekt. Dieses Projekt wurde den Vertretern des Alpenvereins relativ detailliert vorgestellt. Es lässt sich letztendlich auf jahrzehntealte Planungen zurückführen, die zuletzt 1992 an den aktuellen Stand der Technik und der heutigen Genehmigungssituation angepasst wurden. Danach ist in der Tat vorgesehen, im hinteren Sulztal, dem Bereich der Amberger Hütte, einen größeren Pumpspeicher zu errichten. Obwohl es für das Gesamtprojekt Ötztal mehrere Planungsvarianten gibt, ist dieser, für die Sektion Amberg so einschneidende Speicher im hinteren Sulztal immer Kernelement des gesamten Ötztalprojektes und aus Sicht der TIWAG daher unverzichtbar.

Wasserspiegel 120m über der Amberger Hütte

Konkret bedeutet dies die Errichtung eines Staudammes unmittelbar am Fuß der Amberger Hütte. Die vorgesehene Stauhöhe liegt bei maximalem Wasserstand auf einer Meereshöhe von ca. 2.250 m, also etwa 120 Höhenmeter oberhalb des derzeitigen Hüttenstandortes. Damit ist ein Fortbestand der bestehenden Amberger Hütte definitiv ausgeschlossen. Konkrete Vorschläge der TIWAG über mögliche Alternativstandorte im hinteren Sulztal gibt es derzeit nicht. Nach einer ersten Beurteilung durch die Sektion würde der Bau dieses Staudammes nicht nur den Fortbestand der Amberger Hütte in Frage stellen, sondern vor allem auch einschneidende Veränderungen in die alpinistische Nutzung der ganzen Bergregion bedeuten. Insbesondere im Winterhalbjahr erscheinen die zahlreichen genutzten Skirouten auf die umliegenden Berggipfel in Frage gestellt. Auch in der Sommersaison wird sich die Gesamtsituation durch den Ausbau einer Versorgungsstraße zum Staudamm und die weitgehende Flutung des Talgrundes eine einschneidende Veränderung im Landschaftsbild und damit eine erhebliche Beeinträchtigung der alpinen Nutzung ergeben. Alles in allem erfüllen die vorgestellten Pläne die Sektion Amberg mit großer Sorge und lösen bei allen Beteiligten eine tiefe Betroffenheit aus. Bedeutet es doch, dass ein Kernelement unserer Sektion, die Amberger Hütte, auf Dauer verschwinden soll und auch unser angestammtes Arbeitsgebiet in den Stubaier Bergen verloren gehen wird. Seit über 100 Jahren haben Mitglieder der Sektion mit großem zeitlichen und auch finanziellen Einsatz die Amberger Hütte aufgebaut, entwickelt und erhalten und darüber hinaus Wege und Berggipfel der Umgebung alpinistisch erschlossen und gepflegt. Die Sektion Amberg würde nach diesen Planungen ein wesentliches Element ihrer Identität verlieren.

Letztendlich politische Entscheidung der Landesregierung

Die Sektion wird sich daher, gemeinsam mit dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein sowie regionalen Verbänden, z.B. der lokalen Almgenossenschaft, dafür einsetzen, dass diese Pläne nicht zur Realisierung kommen werden. Letztendlich wird dies eine politische Entscheidung der Tiroler Landesregierung sein, in der es zu einer Güterabwägung zwischen Energiepolitik und Erhalt der ursprünglichen Berglandschaft kommen muss.

Unser Appell geht daher an die Tiroler Öffentlichkeit und die Tiroler Landesregierung:

Erhalten Sie diese einmalige Naturlandschaft im hinteren Sulztal und verzichten Sie auf den geplanten Ausbau der Wasserkraft im Ötztal.

Weitere Infos im Internet unter:
Amberger Hütte
Deutscher Alpenverein Sektion Amberg
TIWAG-Tiroler Wasserkraft

Tirol: keine Kraftwerke in Schutzgebieten Im Rahmen einer gemeinsamen Präsidiumssitzung haben DAV und OeAV am 19./20.2.2006 ihre Position zu den aktuellen Ausbauplänen der Tiroler TIWAG bekräftigt und aufeinander abgestimmt.
"OeAV und DAV sind nicht grundsätzlich gegen Wasserkraft; wir fordern aber die strikte Einhaltung unseres gemeinsamen Kriterienkataloges", so Prof. Dr. Heinz Röhle, Präsident des DAV, nach der Sitzung. "Wir werden die bereits seit längerem laufenden Gespräche mit TIWAG und Tiroler Landesregierung weiter intensivieren und unsere Vorstellungen zu den aktuellen Ausbauplänen erläutern", so Röhle weiter. "Ziel ist es dabei, die TIWAG davon zu überzeugen, ihre Bemühungen zum Ausbau der Wasserkraft endlich auf Standorte außerhalb von Schutzgebieten zu konzentrieren." Grundsatzprogramm der Alpenvereine bindend für alle Sektionen Basis des Kriterienkataloges zum Ausbau der Wasserkraft ist das 1994 von allen Sektionen des OeAV und DAV einstimmig verabschiedete Grundsatzprogramm zum Schutz des Alpenraumes. Dieses Papier ist der Rahmen für das gesamte Engagement der Alpenvereine im Alpenraum – von den Arbeitsgebieten über den Hüttenbetrieb bis zum Naturschutz. Demnach ist der Erhalt der alpinen Naturlandschaft für die Alpenvereine und ihre Sektionen bindend, gültige Beschlusslage, die zu keiner Zeit in Frage steht.

Ausschlusskriterien der Alpenvereine

Der österreichische und deutsche Alpenverein sprechen sich nicht generell gegen den Bau von Wasserkraftwerken aus, fordern aber die strikte Einhaltung von strengen Kriterien:

Neue Kraftwerke und deren Bei- und Zuleitungen

* müssen außerhalb ausgewiesener Schutzgebiete liegen,
* dürfen zu keiner Benachteiligung des Tourismus führen,
* dürfen keine geschützten Pflanzen-, Tier- und Vogelarten nach der Tiroler Naturschutzverordnung 2005 zerstören,
* dürfen zu keiner Veränderung der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer durch Wasserableitung, Sunk, Schwall oder Stau führen und
* dürfen keine Verschlechterung des Trinkwasserdargebots darstellen.

Nach momentanem Sachstand gehen die beiden Alpenvereine davon aus, dass die derzeit diskutierten Kraftwerksprojekte gegen mehrere dieser Kriterien verstoßen; deshalb lehnen sie die Erschließungspläne ab. Im Taschachtal will die TIWAG ein Wasserkraftwerk errichten. Keine Wasserkraftwerk in Schutzgebieten. Noch läuft die fachliche Prüfungsphase für den Ausbau der Wasserkraft in Tirol. Von ursprünglich 16 Projekten werden bis zum Frühjahr diesen Jahres vier Projekte genauer auf ihre Machbarkeit hin untersucht: der Ausbau der bestehenden und Neubau von Kraftwerken im Kaunertal und im Sellrain-Silz (Kühtai) sowie Neubauten im Malfontal (Verwall) und bei Raneburg-Matrei (unmittelbares Vorfeld des Nationalparks Hohe Tauern). Vor gut einer Woche hat die Tiroler TIWAG AG ihre Pläne bezüglich des Kraftwerkes Kaunertal nochmals grundlegend geändert. Statt eines Speichersees im Rofental (Vent) oder am Riffelsee (Pitztal) soll die notwendige Staustufe nun im Taschachtal (Pitztal) errichtet werden. Der See würde eine Größe von 75 Mio. Kubikmeter und eine Dammhöhe von 115 m besitzen. Der Damm käme an der Position der heutigen Talstation des Materialliftes zum Taschachhaus (DAV-Sektion Frankfurt) zu stehen. Der gesamte See liegt in Schutzgebieten: Ruhegebiet Kaunertaler Hauptgrat, Ruhegebiet Ötztaler Alpen (=Natura2000-Gebiet nach FFH-Richtlinie). Der DAV lehnt ein Wasserkraftwerk im Taschachtal ab und fordert die Betreiber (Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG) und Tiroler Landesregierung) auf, von Plänen für Wasserkraftwerke in Schutzgebieten Abstand zu nehmen.


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