Adieu Powerriegel




Quelle: Text und Bilder Guru, Luftbilder Google Earth


Adieu Powerriegel ...

Auf Recherche nach „Felsneuland“ bekam ich bereits 2007 einen Tipp von einem Freund bzgl. eines Kletterfelsen bei Chamerau, doch mangels Zeit stellte ich dies jahrelang in irgend einer hinteren grauen Zelle meines Hirn´s ab. Bis heuer, als ich im Frühsommer, mit einem Kletterfreund telefonierte, der mir erzählte, dass er in Google Earth einen Eintrag eines Kletterfelsens bei Chamerau durch Zufall gefunden hat.
Und so suchte ich an einem Sonntag, als es regnete und mit Klettern nix ging, den Felsen und schaute mir diesen näher an und war gleich begeistert. Der Fels, ein fast freistehender Turm mit einer Höhe von ca. 12 bis 15m, an allen Seiten überhängend, fast wie ein Pilz … so ca. 12 Routen gehen da bestimmt … und unter dem 7. Grad ist nix drinnen … perfekt, dachte ich mir ! Als ich an diesem Tag weiter durch den Wald streifte, traf ich auch gleich noch einen ortsansässigen und ortskundigen Bauern aus Rossberg, den ich gleich mal wg. dem Felsen und Routeneinbohren befragte (... und mich zugegebener Maßen etwas blauäugig auf dessen Aussagen verließ). Der war gleich recht gesprächig und erzählte mir, dass der Wald, in dem der Felsen steht einer alten Frau aus Chamerau gehört und dass sich um den Wald seit Jahren kein Mensch kümmert und als ich ihn fragte, was er meint, ob ich da Haken für´s Klettern reinbohren kann, meinte er, dass interessiere keinen, solange ich keine Bäume umschneide oder beschädige. "Mit dem Felsen kann ja eh keiner was anfangen."
Die Woche drauf habe ich dann gleich losgelegt, zuerst habe ich zwei Routen gebohrt und begangen („Bis zum Mond und zurück“ 7- und „Bruttosozialglück“ 8-), ein paar Wochen später bohrte ich nochmals zwei Projekte ein. Es stellte sich im Laufe meiner Bohrarbeiten auch heraus, dass ich dort wohl nicht der erste Kletterer war, da an einem Baum auf dem Felsgipfel eine schon etwas vergilbte Reepschnur hing.
Es vergingen wieder ein paar Wochen, bis ich wieder zu dem im Entstehen befindlichen Kletterfelsen kam, da glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. An allen ersten Haken hing ein einlaminiertes Schild mit der Aufschrift „Privatgrund – Klettern verboten, der Besitzer“.
Der Kiefer hing erst mal tiefer, wir standen vor´m Felsen, waren sprachlos und konnten nicht fassen, was wir da lesen mussten und überlegten hin und her, was wir nun tun sollten. Wir kamen zum Schluss, den Bauern nahe des Parkplatzes vorne zu fragen, ob der was weiß. Der konnte mir dann weiterhelfen, denn der „Besitzer“, nennen wir ihn mal Herrn B. aus C., war wohl einen Tag bevor wir kamen hier beim Schilderaufhängen und war eben auch bei diesem Bauern, den er fragte ob er was gesehen habe oder wisse.
Der Bauer und seine Frau waren gleich sehr hilfsbereit suchten mir die Telefonnummer vom „Besitzer“ aus dem Telefonbuch raus und schrieben mir diese auf einen Zettel. Er bot mir sogar an, mit mir hinzufahren und mit dem „Besitzer“ zu sprechen, aber der war leider nicht zuhause an jenem Tag. So blieb mir nur das Telefon und nach unzähligen Anrufen erreichte ich diesen dann endlich am Telefon und versuchte die Wogen zu glätten, wobei sich im Laufe des Telefonats herausstellte, dass es diesem wohl um eine mögliche Haftung, wenn da was passieren würde, beim Klettern ging. Ich erwähnte im Telefonat auch, dass der Kletterfelsen (den Namen „Powerriegel“ habe ich vergeben) sogar auf Google Earth mit Bild eingetragen sei und versuchte ihn zu überzeugen, ich könne ja auf meine Kosten ein od. zwei Schilder mit der Aufschrift „Klettern auf eigene Gefahr, der Eigentümer haftet für keinerlei Körper- oder Sachschäden“ anzubringen. Dass er aber mit so was aus einer Haftung wäre, wollte dieser mir nicht glauben und wollte sich mal erkundigen (Gemeinde, Förster, Polizei, …), ob das so einfach sei. Wir verblieben, dass sich Herr B. aus C. diesbezüglich erkundigt und wir in ca. 14 Tagen nochmals telefonieren.
14 Tage später war dann die Haftung plötzlich überhaupt kein Thema mehr, da ging es darum, daß der Fels ja so einsam wäre und so ein schönes Platzer´l und dass er vorhabe dort abzuholzen und neu anzupflanzen und da würden die Kletterer, die ja dann immer mehr würden die Jungpflanzen kaputt machen. Ich sagte, wir könnten ja vereinbaren, dass wir diesen Felsen nicht groß bekannt machen würden und nur wir Einheimischen (ein paar Kletterer aus Cham, Kötzting und Blaibach) da hingehen würden, dies wollte er sich wiederum überlegen. Wir vereinbarten nochmals in 14 Tagen zu telefonieren.
Da sagte Hr. B. aus C. mir dann, dass er sich auf der Polizei erkundigt habe und was ich mit dem Hakenanbringen da gemacht habe, wäre Sachbeschädigung und bis Ende Oktober müssen die wieder raus …

Mitte Oktober flexten dann Buff, ein Kletterfreund und ich voller Wut und mit ein paar Dosen Bier zur Beruhigung, bei Regen die Haken raus …
Zwei angrenzende Waldbesitzer verstanden die Welt genau so wenig wie wir und meinten, wenn der Felsen auf ihrem Grund stehen würde, da dürften wir Haken anbringen und klettern. Dies war zwar ein Trost, aber der „Besitzer“ Herr B. aus C., der den Wald, wie ich im Verlauf des Konflikt rausbekammen habe, hat das Waldstück mit dem Felsen drauf vor ca. 1 Jahr von der anfangs erwähnten alten Frau gekauft und sieht die Dinge leider etwas spießiger und anders als andere Waldbesitzer… Adieu „Powerriegel“

Guru

Anmerkung:
Besonders die Route „Bruttosozialglück“ war eine der schönsten 8-, die ich je gebohrt habe ;-( 
Der „Kletterfelsen“ steht noch immer auf Google Earth.




>>Übersicht