Schermberg N-Wand - Schlossgespenst

Im Folgendem ein kurzer Bericht und ein Steckbrief zur Schermberg-Nordwand (Österreich) und deren Route „Schlossgespenst“, die wir (Christian und Bruno Hartl) heuer bei bestem Wetter am 20. und 21. August 2009 mit einem geplanten Biwak durchstiegen haben.
Die Wand auf dieser Route zu durchsteigen spukte schon zwei bis drei Jahre in unseren Köpfen herum, aber aufgrund von Zeitmangel, Problemen einen gemeinsame Termin zu finden oder schlechter Witterung schoben wir unser Ziel immer vor uns her.
Umso schöner war es heuer, als wir beide spontan ein paar Tage Zeit hatten, die Wettervorhersage perfektes Wetter versprach und wir diese Riesenwand mit 50 Seillängen durchsteigen konnten – Es lebe der Alpinismus und das Abenteuer ! - und das gerade mal gute zwei Autostunden vor unserer Hoamat Ostbayern.
Diese Wand, die oft auch in Fachkreisen eher unbekannt, obwohl sie nach Watzmann-Ostwand (Deutschland) und Triglav-Nordwand (Slovenien) eine der längsten Wände in den Ostalpen ist.
Die Unbekanntheit spiegelt sich auch im Wandbuch wieder. Als wir uns heuer im August eingeschrieben haben, war unsere Begehung noch zahlenmäßig unter der 40., obwohl die Route bereits 1999, also vor 10 Jahren erstbegangen wurde und bereits auch von Bergauf-Bergab unter dem Titel „Die erste Geige in der Schermberg Nordwand“ preisgekrönt verfilmt und mehrfach ausgestrahlt wurde.

Steckbrief:
Berg: Schermberg, 2396m
Bergregion: Totes Gebirge
Routenname: „Schlossgespenst und direkter Nordgrat“
Erstbegeher: Ulli Schneider und Erich Haderer am 2. und 3.07.1999
Wandhöhe: 1400m
Wandausrichtung: N-NW
Routenlänge: 50 Seillängen plus 350m Wandvorbau, man kann schon mit so min. 12 Sunden rechnen, eher mehr oder mit Biwak, verteilt auf zwei Tage
Schwierigkeit: bis U.I.A.A. 5 (6), mehrere Passagen, oft auch nur 4

Zufahrt/Ausgangspunkt:
Auf der Pyhrnautobahn (A9) bis zur Ausfahrt Ried im Traunkreis, SW-wärts abzweigen und über die Scharnsteiner Straße (B120) über Pettenbach und Scharnstein nach Grünau, weiter Richtung Almsee, bei der Habernau, beim Gasthof Jagersimmerl nach links zur Almtalerhütte abzweigen.. Parken beim Almtaler Haus.

Zustieg:
Ca. 1,5 Std. vom Almtaler Haus (714m) aus, zunächst auf Schotterstraße, dem markierten Weg in Richtung Welser Hütte folgen, kurz vor deren Materialseilbahn dann den rechten Weg nehmen zum Fuß des markanten Vorbaus (oben drüber sieht man das Gesicht des Schlossgespenstes, welche der Route den Namen gab), der Weg durch den Vorbau zum eigentlichen Einstieg der Route führt mehr oder weniger durch eine Rinne (unten sich eher rechts/mittig, oben dann am linken Rand halten) und erfordert nochmals ca. ¾ Std. und Kletterschwierigkeiten im 2. Schwierigkeitsgrad.

Einstieg:
Ungefähr in Mitte des markantem Band am Ende des Vorbaus, welches man von links her erreicht. Steinmann und Metalltafel mit der Aufschrift „Schlossgespenst“ direkt beim Einstieg. (zur Orientierung: links vom Gesicht des Schlossgespenst).

Routenbeschreibung:
Die Kletterei wechselt zwischen schönen Felspassagen und steileren Stufen, es gibt aber auch einige brüchige Passagen. Die Route ist sparsam mit roten Punkten markiert, wobei Orientierungssinn und alpine Erfahrung in dieser Riesenwand unabdingbar ist ! An den meisten Standplätzen und an den schwierigeren Stellen sind solide Klebehaken angebracht. Die Schwierigkeiten bewegen sich so max. bei 6 (letzte Seillänge), mehrere Stellen im 5. Grad, oft aber auch leichter – 3. / 4. Schwierigkeitsgrad. Die letzte Seillänge, zunächst eine Querung nach links und dann eine Verschneidung mit immer breiter werdendem Riß, in der ein großer Klemmblock steckt und überklettert werden muß, fordert nochmals alle Kräfte kurz vorm Gipfel.

Bemerkungen:
Trotz der soliden Klebehakenabsicherung und der roten Punktmarkierung eine eher ernste und alpine Unternehmung. Die Route ist sehr sehr lang (50 Seillängen !) und vom Kletterniveau her deutlich schwieriger als z. B. der Berchtesgadener Weg durch die Watzmann-Ostwand ! Bei Wetterumschwung in der Wand (Nässe und Schnee) wird es richtig gefährlich, deshalb am Beste im Sommer / Frühherbst (Ende Juli bis Anfang Oktober) und nur bei bester Wettervorhersage einsteigen.
Für Anfänger im alpinen Klettern ist die Route def. nicht geeignet ! 

Ausrüstung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
55m Doppelseil, Klemmkeile, Friends, ca. 10 Express-Schlingen, mehrere Bandschlingen, eher längere, Helm, genügend zu Trinken, Essen, Biwaksack, Stirnlampe, Kartenmaterial, ggf. Kompaß, Topo, festes Schuhwerk für den Abstieg (u. U. muß man vom Gipfel hinab zur Welser Hütte Schneefelder queren)


Fluchtwege aus der Wand (siehe auch Topo):
Hier ist entsprechendes Lankartenmaterial unabdingbar:
- Karten: AV-Karte Nr. 15/2; Totes Gebirge Mitte
- Kompass Nr. 19; Almtal, Steyrtal, Totes Gebirge

Es gibt je nach erreichter Wandhöhe verschiedene Fluchtmöglichkeiten aus der Wand:
1. Vom Buchplatz 25m abseilen (2 Haken mit Schlinge) zu Steigspuren ins Büchsenkar.
2. Vom Gipfel des 1. Turmes westl. absteigen bis zum Abbruch. Abseilpiste 4 x 25m und 1 x 20m oder westlich davon in die Hetzaugrabenrinne abklettern.
3. Vom Gipfel des 2. Turmes (große Terrasse) westl. auf das große Schuttfeld, an geneigter Stelle kurz in den Hetzaugraben abklettern und in 2 Stunden zur Pühringer Hütte oder wie oben ins Tal. 3. Vom Terrassengrat-Ende (20. N-Grat Seillänge) über Schrofen schräg westl. zu BH und 25m aufs Schuttfeld abseilen und auf die Terrasse (weiter wie bei 2.).

Biwakmöglichkeiten:
- Gespensterbiwak (sehr weit unten im Vgl. zur Wandhöhe)
- auf dem 1. Turm Unterstandhöhle, wenig oberhalb des 3. Standes am 1. Turm (u. U. mit Altschnee gefüllt)
- Terrassenbiwak

Abstieg:
Vom Gipfel des Schermbergs auf markiertem Weg über Karstgebiet, Firn-/Altschneefelder und teilw. Drahtseilversicherungen zur Welser Hütte (1815m) und dann weiter zurück zum Ausgangspunkt der Tour, dem Almtaler Haus, ca. 3,5 bis 4 Std. (ca. 1600Hm)

Erwähnte Berghütten:

Almtalerhaus
, 714m
Silvia Klausner und Anita Mair
Hetzau 7
4645 Grünau, Oberösterreich
Telefon: +43/664/4109665
e-mail: almtalerhaus@aon.at
www: www.almtalerhaus.at  

Leider funktioniert hier auf der Hütte kein Internetanschluss, so dass die e-Mails nur einmal in der Woche abrufen werden.

Öffnungszeiten: 1. Mai bis zum 15. September

Welser Hütte, 1815m
Pächter: Thomas Höfer
Ziegelholz 9
4500 Kremsmünster
Telefon.: 0043(0)7616/8088
Mobil: 0043/676/5753341
e-Mail: T.Hoefer@gmx.net
www: www.welserhuette.com

Öffnungszeiten: 1. Juni (oder Pfingstwochenende) bis 15. September
bewirtschaftet von Anfang Juni bis Mitte September

Infos und Topo zum "Schlossgespenst" auf:





Schlossgespenst – Topo

 

 


Fotos zur Route:



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