Berggeist des Jahres 2009

Quelle: Alpenklub Berggeist




(München) Der Tiroler Meteorologe Dr. Karl Gabl (62), seit mehr als 30 Jahren Leiter der Wetterdienststelle Innsbruck, wurde am vergangenen Samstag in Siegertsbrunn bei München vom traditionsreichen Alpenklub Berggeist (AKB) als „Berggeist des Jahres“ ausgezeichnet. Nach Aussage des Vorsitzenden Siegfried Weippert „einer der kleinsten Alpenklubs Europas“, möchte die Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) – in der alpine Spitzenathleten wie die beiden Huber-Buam Alexander und Thomas ebenso vertreten sind wie erfolgreiche Künstler, Fotografen und Autoren –mit dem 2004 erstmals vergebenen Preis auf Personen aufmerksam machen, die sich im Sinne der Vereinssatzung besonders um den „idealen Wert des Bergsteigens“ verdient gemacht haben. Der Extrembergsteiger Ralf Dujmovits, der als erster Deutscher alle 14 Achttausender bestieg, hob in seiner Laudatio hervor, wie enorm wichtig die von Gabl per Satellitentelefon übermittelten Wetterprognosen für die Expeditionsbergsteiger von heute sind.
Regelmäßig macht Karl Gabl Überstunden in seinem Büro am Innsbrucker Flughafen, sitzt spät in der Nacht am Computer und brütet über Wetterdaten. Dabei richtet sich sein Interesse aber nicht auf Kalt- oder Warmfronten, die sich seiner Tiroler Heimat nähern, sondern er blickt in die Wetterküchen vor Alaska oder Patagonien oder prüft die Jetstream-Lage über dem Himalaya. Irgendwann, wenn in einem fernen Zeltlager ein gipfelhungriger Bergsteiger seine Handynummer gewählt hat, gibt Gabl dann Auskünfte und konkrete Ratschläge: „Obwohl es heute voraussichtlich ein paar Schneeschauer geben wird, solltet ihre heute ins Hochlager steigen“, meint er dann, „und morgen müsste für 12 bis 16 Stunden ein Schönwetterfenster aufgehen. Das solltet ihr für den Gipfel nützen.“ Oder er meldet dem Fernsehteam, das schon fünf Tage im vorgeschobenen Basislager unter dem Mount McKinley wartet kurz und knapp: „Des wird’ nix. Des könnt’s knicken!“ Seine Gesprächspartner wissen genau, welche Kompetenz sich hinter diesen Tipps verbirgt. Gabl ist nämlich nicht der „Wetterfrosch“, der die Unmenge von Daten als Wissenschaftler analysiert und interpretiert, sondern er weiß aus eigenem Erleben, welche Informationen und Tipps die Bergsteiger benötigen. Vor mehr als 30 Jahren legte der gebürtige St. Antoner seine Bergführerprüfung ab. In seinem Tourenverzeichnis finden sich zahlreiche großzügige Anstiege in den Alpen, die Skibefahrung des 7.492 Meter hohen Noshaq im Hindukusch, die Erstbegehung des Südsporn-Pfeilers am Huascarán in den Anden sowie einige Dutzend Gipfel über 5.000 und 6.000 Meter und ein Siebentausender. 1987 „erfand“ er mit Robert Renzler den Alpenvereins-Wetterdienst; außerdem leitete er über mehrere Jahre das Kuratorium für Alpine Sicherheit und ist als Gerichtssachverständiger tätig. Die bisherigen Preisträger waren: Hermann Magerer, „Erfinder“ und langjähriger Moderator der Fernsehsendung „Bergauf-Bergab“; Hermann Huber, Urgestein der Münchner Bergsteigerszene und über viele Jahre innovativer Geschäftsführer von Salewa; Bernd Kullmann, passionierter Allroundbergsteiger aus Karlsruhe, 1978 erster Everest-Ersteiger in Levis-Jeans, heute Geschäftsführer des Rucksackherstellers Deuter; Silvia Huber, engagierte und emanzipierte Wirtin des Hans-Berger-Hauses im Wilden Kaiser; Kurt Albert, Kletterlegende aus Franken und spätberufener Abenteurer.

Webtipp: www.alpenklub-berggeist.de


Infos zum Alpenklub Berggeist

Der Alpenklub Berggeist, der gemäß einer Satzungsbestimmung nicht mehr als 100 Mitglieder haben soll, spielt seit jeher eine Sonderrolle unter den 354 Sektionen des Deutschen Alpenvereins. Dies zeigt sich etwa bei der Bestimmung, wonach nur beitreten kann, "wer von zwei Mitgliedern des Vereins vorgeschlagen wird". Erst 1996 konnten sich die "Berggeister" - als absolute Nachzügler - dazu entschließen, Frauen aufzunehmen! Mittlerweile ist es fünf mutigen Frauen gelungen, in den Männerkreis vorzustoßen !

Bergsteigerische Leistungen haben zwar seit jeher eine elementare Bedeutung für das Selbstverständnis des AKB, aber ausdrücklich erwähnt die Satzung als Vereinszweck auch "die Vermittlung des Erlebens am Berg durch Wort, Schrift oder sonst künstlerische Gestaltung sowie die Unterstützung alpiner wissenschaftlicher Arbeiten". Nie trachteten die Vereinsmitglieder nach Hüttenbesitz oder ähnlichen "Bürden" anderer Sektionen.

Die "etwas anderen" Regeln haben den Klub zu einem teilweise elitären Kreis gemacht. Der Alpinschriftsteller Walter Pause, selbst mehrere Jahre Vorsitzender, merkte einmal an, dass man aus den "100 Individualisten" zwar "im besten Fall ein interessantes Irrenhaus, doch nie und nimmer einen Verein machen" könne."

Spitzenbergsteiger aus allen Epochen des Alpinismus nach dem Zweiten Weltkrieg gehören noch heute dazu: die beiden sächsischen Kletterer Herbert Wünsche oder Dieter Hasse, die viele ihrer leistungsstarken Freunde in den Verein brachten; Günter Sturm, erfolgreicher 8000er-Mann und über Jahrzehnte Chef des Summit Club, stieß 1962 dazu, und zwei Jahre später Pit Schubert, jahrelang "Sicherheits-Papst" der Bergsteiger; in der "Mediziner-Abteilung" finden sich Prof. Erwin Hipp, der Herzspezialist Hans Borst und Wolfgang Schaffert, jahrelang Chef der deutschen Berg- und Höhenmediziner; das "name dropping" bei Berggeist schließt Deutschlands renommiertesten Bergfilmer Gerhard Baur ebenso ein wie den Fotografen Jürgen Winkler, den TV-Redakteur Michael Pause, die Reiseautorin Carmen Rohrbach sowie den Autor und Filmemacher Malte Roeper.

Nach der Wende fand der sächsische Ausnahmekletterer Bernd Arnold zum AKB, und 1997 auch die beiden heutigen Alpin-Stars Alexander und Thomas Huber; last but not least gehört auch Hüttenwirt und Allround-Künstler Charly Wehrle zu dem ungewöhnlichen Kreis.


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