Zweifel an der Gemeinnützigkeit von Kletternhallenprojekten des DAV

Quelle: KLEVER e.V., Andrea Hailer

Subventionen für DAV Kletterzentren: Steuergeldverschwendung im großen Stil ?

Der Kletterhallenverband Klever e.V spricht Zweifel an der Gemeinnützigkeit großangelegter Kletternhallenprojekte der größten Bergsteigervereinigung der Welt, dem Deutschen Alpenverein offen aus. Zunehmend entsteht hier ein Katz und Maus Spiel, steht ein David gegen Goliath, wobei es nun bei den inhabergeführten Kletterhallen um die hart erkämpfte Existenz geht.

Die massiv mit Steuergeldern subventionierten DAV Kolosse fügen den gewerblich organisierten Hallen gravierende, messbare und nicht zu kompensierende Wettbewerbsnachteile zu. So sind beispielsweise bei der High Moves GmbH in Bensheim, nach Eröffnung der DAV Kletterhalle in Darmstadt die Umsätze im April 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 37% zurückgegegangen.

Kein Einzelfall, wie Wolfgang Eichholz, Geschäftsführer der Mega Sports GbR in Regensburg erläutert: “Wir haben grundsätzlich überhaupt kein Problem mit einem Konkurrenten vor Ort. Wir empfinden es nur als nicht tragbar, dass von den Steuergeldern die wir bezahlen, unser Konkurrent gefördert wird, zumal ja der Betrieb der Halle augenscheinlich genauso kommerziell ist wie bei uns.

Seit vielen Jahren haben wir versucht, mit dem DAV Regensburg eine Kooperation zu bekommen. Wir haben sehr viele Versuche gestartet, ein gemeinsames Konzept auf den Weg zu bringen“. Hier lassen sich seit Eröffnung der DAV Konkurenz in Regensburg die Umsatzrückgänge um über 50% beziffern.

Aber nicht nur in Bensheim oder Regensburg schlafen die Kletternhallenbetreiber schlecht bei dem derzeitigen DAV Wind von schräg gegenüber: Über 800 Beschäftigte in Voll- und Teilzeit bei den „Freien“ bangen bei diesen Umsatzrückgängen verständlicherweise um ihren Job.

Die Investitionssummen für DAV-Hallen gehen in die Millionen. Öffentliche Stellen erkennen die DAV Wirtschaftsgroßbetriebe noch immer als gemeinnützig an. DAV Kletterzentren geplant, eröffnet und am Leben erhalten durch öffentliche Bezuschussung, sowie Steuervergünstigungen während des Betriebs bedrohen die „freien“ Sportkletterstätten, die nicht diesselben Start- und Über-Lebensbedingungen, wie die Alpenvereinskollegen haben. Gemeinwohlorientiertes Handeln ist hier nicht mehr erkennbar, stattdessen = eine klare Gewinnerzielungsabsicht gegeben.

Seit Längerem schon sind die gemeinnützig anerkannten Sektionen des Deutschen Alpenvereins auch auf dem Geschäftsgebiet der künstlichen Kletteranlagen tätig. Anfangs noch mit kleinen, nur für Mitglieder zugänglichen Hallen - veränderte sich jedoch Charakter und Zielsetzung der neuen DAV-Kletterzentren in den letzten Jahren eklatant.

Nach neuesten Datenerhebungen des DAV Magazins „Panorama“ wird deutlich, wie sehr der DAV bereits auf das Geschäftsgebiet und gewerbliche Organisation mit künstlichen Kletteranlagen fokussiert ist. Auch in der Oktoberausgabe spricht Panorama deutliche Worte: „...die Erschliessung Deutschlands mit Kletterhallen, wie es der DAV als seine zukünftige Aufgabe sieht, längst nicht abgeschlossen“.

Es stellt sich die Frage nach dem Warum. Weil der DAV an Überalterung leidet und keine jüngeren Mitglieder werben konnte? Weil erst durch moderne Kletterhallen die Jungen kamen und damit frisches Geld in den Verband? „Die Zukunft ist jung“ verspricht eine Headline, ebenfalls Oktoberausgabe „Panorama“.

Man nehme beispielsweise das 1,7 Mio. DAV-Projekt in Kassel. Ein Fünftel durch Eigenmittel, bw. Eigenleistung seitens DAV, der Rest durch öffentliche Gelder, Zuschüsse und zinsvergünstigte Darlehen. Alleine die Beigabe der Stadt Kassel und Land Hessen: satte 350.000,- Euro.

Wenn einer Hilfe bekommt, die anderen nicht, handelt es sich um Subventionen. Wirtschaftsexperten bezeichnen Subventionen gerne als „süßes Gift.“ Süß, weil jeder gern eine Hilfe annimmt, die nichts kostet, Gift, weil es sich um etwas handelt, was den natürlichen Wettbewerb verzerrt. Fehler verschleiert - somit einen massiven Eingriff in das Marktgeschehen darstellt.

Es geht hier nicht um die allgemeine Gemeinnützigkeit des DAV, oder darum, was der Deutsche Apenverein leistet und geleistet hat. Es geht um ungleiche Rahmenbedingungen, Verdrängung der inhabergeführten Hallen, um Wettbewerbsverzerrung. Und: Das alles geschieht mit öffentlichen Geldern. Arbeitsplätze der freien Wirtschaft werden dadurch zu ehrenamtlichen Tätigkeiten umgewandelt. Kann das im Sinne des Förderers, nämlich der öffentlichen Hand sein?

Andrea Hailer i.A. Kletterhallenverband Klever e.V

Der Kletterhallenverband KLEVER e.V. vertritt die Interessen von derzeit 35 gewerblichen Kletteranlagen in Deutschland, sowie Österreich und der Schweiz. Den Fachverband für künstliche Kletteranlagen gibt es seit 2005.
1.Vorsitzender: Norbert Kunz
2.Vorsitzender: Edgar Faller

KLEVER im Internet: www.kletterhallenverband.de  


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