Grand Capucin Free Solo


Grand Capucin Free Solo ...

Quelle: Text: A. Huber Bild: H. Zak

Mit seinen 3838 Metern gehört der Grand Capucin nicht zu den großen Gipfeln im Montblanc-Massiv. Trotzdem steht er seit der Erstbegehung seiner Ostwand durch Walter Bonatti und Luciano Ghigo bei den Kletterern hoch im Kurs. Einerseits war Bonatti mit seiner Begehung im Jahr 1951 seiner Zeit voraus, was die Route berühmt und begehrt machte. Darüberhinaus ist es aber vor allem der wunderschöne Granit, der den Grand Capucin für die Kletterer so attraktiv macht.

Durch die in den Alpen einzigartig schöne Gestalt dieses Granitturmes war es für mich eine besondere Herausforderung, diesen Berg free solo zu klettern. Auf diesem Gipfel zu stehen, der tatsächlich nur für den engagierten Kletterer zu erreichen ist und der wohl als der schwierigste Berg der Alpen bezeichnet werden kann. Anfang Juli war ich ein erstes Mal am Grand Capucin. Zusammen mit Werner Strittl erkundete ich das Vorhaben und fand auch entlang der Schweizerführe einen bei Schwierigkeiten im moderaten siebten Grad verhältnismäßig leichten Weg. Doch war das Problem mit dem Finden eines Weges zum Gipfels nicht gelöst. Ich musste nach einer Free-Solo-Besteigung schließlich auf irgendeine Weise vom Gipfel wieder runterkommen! Logischerweise erkundete ich dabei zuerst den Weg der Erstbesteiger aus dem Jahr 1924, der von der rückwärtigen Scharte direkt zum Gipfel führt. Die Überraschung war perfekt: Direkt über der Scharte eine Welle aus monolithischen und senkrechten Granit. Die Erstbegeher überwanden dieses Problem mit einer Art „Klettersteig“ aus riesigen Eisenstiften, die sie alle fünf Meter im Granit versenkten. Was früher vermutlich mit Leitern und Seilen verbunden war, ist heute ein mit konventionellen Mitteln nicht mehr gangbarer Weg… Wie also zurück? Eine Woche später erkundete ich mit Kurt Astner die Möglichkeiten und bald stellte sich heraus, dass es keine andere Lösung gibt: Zurück geht´s nur auf dem gleichen Weg, wie ich nach oben gekommen war! Entlang der Schweizerführe einfach wieder runter!

Die insgesamt 400 Meter Wandhöhe lassen sich in zwei Teile trennen. Auf ein 100 Meter hohes, leichtes Schneecouloir folgt 300 Meter reiner Fels. Nach meinen Erkundungsgängen kannte ich die Route und vor allem die schwierigen Kletterstellen, trotzdem musste ich für mein Vorhaben, völlig hilfsmittelfrei diesen exponierten Gipfel zu erklettern, noch zuwarten. Denn das für die Gletscherwelt im Montblanc-Massiv so segensreiche schneereiche Frühjahr machte einiges an Abwarten notwendig: Ein Riss, der zwischen der Schweizerführe und der benachbarten Route „O Sole Mio“ den Ausstieg ermöglichte, eiste immer wieder nachts mit dem täglich anfallenden Schmelzwasser zu.

Am 5. August war es dann endlich perfekt. Der Himmel war zwar voll bedeckt, aber die Bedingungen passten – der Fels und alle Risse waren mittlerweile vollständig trocken und eisfrei. Um zehn Uhr startete ich vom Schneecouloir in den Fels, 59 Minuten später war ich oben. Am Gipfel waren die obligatorisch auftauchenden Bergdohlen meine einzige Gesellschaft und während es für die Bergdohlen völlig normal war, den Gipfel wieder hilfsmittelfrei zu verlassen, machte ich mich nach fünf Minuten Pause wieder auf dem Weg nach unten. Logisch, dass der Abstieg erheblich schwieriger wurde als der Aufstieg. Beim Abklettern fehlt der Überblick, man ist im Bewegungsablauf bei weitem nicht so routiniert als auf dem Weg nach oben und als Extra gibt es noch die ständig notwendige Aussicht nach unten. Stress tauchte trotzdem keiner auf und nach einer Stunde und 46 Minuten war ich wieder unten bei meinen Steigeisen. Selbst der anschließende Abstieg über das Schneecouloir und vor allem über den riesigen Bergschrund war an diesem Tag denkbar einfach. Der durchgehend bedeckte Himmel bescherte mir zwar frische Bedingungen beim Klettern, aber dafür war jetzt beim Rückweg der Schnee im Couloir und am Bergschrund noch halbwegs durchgefroren und bescherte mir einen sicheren Weg über das letzte, für einen Alleingänger beizeiten durchaus gefährliche Hindernis.

Alexander Huber

Webtipp:
Homepage der Huberbuam: www.huberbuam.de
Homepage Heinz Zak: www.heinzzak.com

 



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